Nachruf „Opi“ Marco

Trotz seines inzwischen biblischen Alters von 48 Jahren hatte Marco bis zum Schluss den Schalk im Nacken. Alle Pferde, die an seiner Box vorbeikamen, kannten es schon. Opi hatte zwar schon lange keine Zähne mehr und ernährte sich nur noch von kalorienreichem Brei, aber man kann ja mal so tun, als ob man beißen kann.

So viele Mädchen durften ihn als Reitbeteiligung haben. Dabei war er auch immer ein eigenwilliges Pony. Wer sich bei Marco durchsetzen konnte, würde mit keinem Pferd Probleme haben, sagte Hilke stets. Ebenso war klar, wer Marco ohne Sattel reitet, kann jedes Pferd aussitzen. Aber alle wurden nach ein paar Jahren zu groß und zu schwer für ihn und mussten auf größere Pferde umsteigen. Nur Kimi konnte bleiben. 12 Jahre hat Marco sie begleitet und sie ihn.

Bei Marco musste man mit allem rechnen. Er liebte es sich im Schnee zu wälzen – egal, ob jemand auf ihm saß oder nicht. Er ging gerne schwimmen und planschte nach Herzenslust. So waren irgendwann alle nass. Selbst in seinem letzten Frühling ist er noch durchgegangen, weil ihm alles viel zu langsam ging oder weil er nach der Weide noch nicht nach Hause wollte. Ein flotter Galopp in der Marsch machte ihm einfach Spaß.

In seinem langen Leben konnte er so viel lernen und erleben, dass er durch nichts zu erschüttern war. Als Bodenarbeit modern wurde, machte er mit und lernte „Kompliment“. Auch das Reiten mit Halsring oder die Arbeit an der Doppellonge waren kein Problem für ihn. In jüngeren Jahren trug er seine Reiterinnen über so manches Hindernis, im Parcours und im Gelände. Aber eigentlich war er das perfekte Dressurpony. Marco war für alles zu haben. Ein echter Allrounder eben.

Seit dem 17.11.2021 ist seine Box nun leer. Eine Lilie steckt an der Tür. Die RFO ohne Marco war kaum vorstellbar, aber jetzt ist es geschehen. Bei einem Menschen würde man sagen, dass ein erfülltes Leben zu Ende ging. Für ihn passt es allemal.